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123 Felsen des Himmels (2026) - Bookart

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UNIKATBÜCHER
GERHARD MULTERER
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123 Felsen des Himmels (2026)

Ebene 2













"Felsen des Himmels" ist eine Hommage an Jürgen Habermas. Der Titel geht zurück auf Francesco Petrarca, oder genauer auf dessen Grabstein in Arquà Petrarca. Die Inschrift dort lautet: "Dieser Stein bedeckt die kalten Knochen von Francesco Petrarca;  (...) Und möge nun diese von der Welt ermüdete Seele in den Felsen des Himmels Ruhe finden."

 
Warum Petrarca? Seine Liedersammlung (Canzoniere) begleitet mich nun mein halbes Leben (Buch 022: roses are still roses; Buch 033: U.S. Mail; Buch 056: Petrarca verblutet; Buch 100: MANUAL).




Petrarcas Hauptinteresse galt der Wiederbelebung der Antike in ihrer Gesamtheit, was ihn zum Mitbegründer des Renaissance-Humanismus machte. Neu bei seinem Aufbruch war, dass Petrarca - im Gegensatz zum mittelalterlichen Weltbild, in dem Gott als Weltenlenker fest verankert war, den Menschen in den Mittelpunkt des Weltgeschehens rückte. Dieser Perspektivenwechsel hat ihn ermuntert, sich selbst als Beispiel für sein Handeln, seine Gefühle und für seine Empfindungen zu geben. Petrarca folgte der Quelle, die ihn am meisten überzeugte, seinem Inneren - seinem "metaphysisch" Inneren! Der sog. Petrarkismus ist m. E. ein Urgrund für Kunst und für die Schaffung von Kunstwerken.

 
2004, nach den Anschlägen von 9/11, kam es in München zu einem viel beachteten Gespräch zwischen Jürgen Habermas und dem damaligen Kardinal Josef Ratzinger über das Verhältnis von Religion und Vernunft (Dialektik der Säkularisierung).

 
Jürgen Habermas veröffentlichte zu diesem Thema 2019 die Studie "Auch eine Geschichte der Philosophie", in der er in einer Art Werkbilanz dreitausend Jahre Geistesgeschichte Revue passieren lässt. Habermas glaubt darin gleichwohl an den sozialkognitiven Fortschritt, ja sogar an den moralkognitiven Fortschritt als Denkbewegung. Mit Blick auf die gegenwärtigen Krisen der kapitalistischen, westlichen Demokratien (USA), aber auch auf Diktaturen (China) und völkische Mythen (Russland), oder aktuell auf das Mullah-Regime im Iran, kann man die 2019 erschiene Studie heute auch als "Auch eine Geschichte von Staat und Recht" thematisieren und fragen, wie es um die Emanzipation des Staates und der Rechtsordnung aus der Umklammerung durch Kirche und Religionen bestellt ist.


In Deutschland sind laut Grundgesetz Staat und Kirche voneinander getrennt. Faktisch sind jedoch viele Verschränkungen vorhanden. Es ist schon vor langem kritisiert worden, dass die Beziehung von Staat und Kirche in der deutschen Verfassung als Kompromiss geregelt ist. So gelten im heutigen Pluralismus die öffentlichen Schulen noch prinzipiell als christlich (vgl. hierzu auch Art. 7 III GG, der die sog. bekenntnisfreie, also die weltanschaulich neutrale Schule zur Ausnahme erklärt). Oder: Nach wie vor leistet der Staat an die Kirchen Finanztransfers. Zu diesen Staatsleistungen hieß es bereits vor 100 Jahren in einem juristischen Kommentar zur Weimarer Verfassung, "hier trete zutage, dass in Deutschland zwar die Freiheit der Kirche vom Staat, aber die Dienstbarkeit des Staates gegenüber der Kirche erreicht worden sei." (Hans Nawiasky, Die Grundgedanken der Reichsverfassung, München 1920, S. 146). Diese Kritik hat ihre Aktualität nicht verloren. Zeigt sich doch im Fazit: Die Emanzipation von der Religion, die Habermas in seinem neuen Werk für die Philosophie ins Licht rückt, bezogen auf den Staat und die Rechtsordnung, ist bislang fragmentarisch und inkonsistent geblieben. Implizit würden seine beiden Buchbände deshalb den Anstoß vermitteln, zusätzlich zur Emanzipation der Philosophie auch die Emanzipation der Rechtsordnung  und des Staates  von  der  Religion zu durchdenken und dem Leitbild eines weltanschaulich neutralen bzw. eines säkularen, profanen Staates konsequent zum Durchbruch zu verhelfen. Dies ist nun die eine Sichtweise.
 
Soll Religion Teil einer Staatsverfassung sein? Nein (black)! Ja (white)! oder vielleicht ein wenig (grau)? Diese Frage spiegelt sich in der 3-bändigen Gliederung des vorliegenden Unikatbuches wider.


     
Jürgen Habermas richtet seinen Blick in "Auch eine Geschichte der Philosophie" über monumentale 1.700 Seiten auf Buddha, Laotse, Konfuzius, Sokrates, Moses, Jesus, Augustinus, Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Thomas von Aquin, Marsilius von Padua, Francisco Suárez,  Martin Luther, Niccolò Machiavelli,  Blaise Pascal, Baruch de Spinoza,  Wilhelm von Humboldt,  David Hume, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel , John Locke, Sören Kierkegaard, John Dewey, Charles Sanders Peirce und John Rawls (Nietzsche fehlt). Laut Thomas Assheuer (Artikel über Jürgen Habermas in der Wochenzeitschrift  DIE  ZEIT vom 19.03.2026) hat Jürgen Habermas am Schluss seiner Studie jedoch ganz andere Fragen gestellt:
 
"Warum verliert die angeblich überlegene westliche Vernunft überall an Kredit? Hat die Menschheit zum ersten Mal Probleme am Hals, die sie mit technischen Mitteln nicht lösen kann? Hat sie bei ihrem Sieg über die Religion etwas abgespalten, was sie nicht ersetzen kann, erst recht nicht durch mehr Vernunft? Und: Ist der sozialmoralische Fortschritt der Gattung ohne Religion an sein Ende gelangt?"
 
Oder noch einfacher gefragt: "Hat die Menschheit ohne Religion eine Zukunft?" Diese Frage muss nun jeder, der sie stellt, selbst beantworten. "Felsen des Himmels" kann dabei Impulse geben.


 
Über Franz von Assisi wurde berichtet: "Doch das Volk, das allem Guten feindlich gesinnt war, verachtete die Predigt dieses Mannes Gottes so sehr, dass es ihm nicht zuhören wollte und nicht einmal bei seinen heiligen Ermahnungen anwesend sein wollte. Schließlich, nachdem sie sich viele Tage lang geweigert hatten, seine Predigt anzunehmen, tadelte Franziskus ihre Hartherzigkeit scharf: „Ich trauere sehr“, sagte er, „über euren unglücklichen Zustand, denn ihr verschmäht nicht nur mich, den Diener Christi, sondern verachtet auch ihn in mir, da ich euch die Frohe Botschaft des Erlösers der Welt verkünde. Nun verlasse ich Rom und rufe über eure Trostlosigkeit das Zeugnis dessen an, der der treue Zeuge im Himmel ist; und zu eurer Schande werde ich den wilden Tieren und den Vögeln der Luft die Frohe Botschaft Christi verkünden, damit sie auf die heilenden Worte Gottes hören, ihnen gehorchen und Frieden finden.“ Da näherte sich eine ganze Schar Vögel und umringte ihn; still und ohne jegliches Zwitschern blieben diese Vögel an Ort und Stelle stehen, lauschten aufmerksam den Worten. Und dann wurden durch seine Predigt Herzen, die zuvor unfruchtbar und beständig verhärtet gewesen waren, erweicht und zum Besseren gewandelt."


                 

Tauben werden zu Felsen des Himmels und sie haben Namen. Ich baue mit diesen Felsen (Matthäus 16:18) ein "Memorial" für Jürgen Habermas als materielles Buch. Möge darin sein Herz ruhen und sein Geist leben.  
 
Gerhard Multerer
 
(März 2026)
 


Der Text  begleitet und erklärt die Entstehung dieses Künstlerbuches.
 
Bezugstexte von:
 
Prof. Dr. Hartmut Kreß,  Jörg Später, Stefan Müller-Doohm mit Gisa Funck, Josef Früchtl mit René Aguigah.


gerhard@multerer.org
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