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122 COYOTES II. (2026) - Bookart

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UNIKATBÜCHER
GERHARD MULTERER
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122 COYOTES II. (2026)

Ebene 2










COYOTES II  (2026)









COYOTES II.   ist der 2. Versuch, eine halb vergessene Geschichte neu zu erzählen: "I like America and America likes Me." von 1974  klingt heute so: "I like America, but America doesn`t like Me."
Kara Walker sagte: "Am Anfang dieses Projekts (gemeint ist die Brunnenskulptur Fons Americanus in der Tate Modern, 2019) habe sie "den überheblichen Impuls gehabt, über die Konstruktion der amerikamischen Identität nachzudenken." "Woher kommt dieser Pesthauch? Was ist das für ein Chaos, das sich gerade um uns herum entfaltet? Und wo endet es? Wie in einem Horrorfilm scheint das Problem von innen, aus dem eigenen Haus zu kommen. (K. Walker.)"
Meine Generation ist nun Jahrzehnte für Abrüstung, für Gewaltlosigkeit, für Humanität und für prinzipielle Naturerhaltung eingetreten. COYOTES erzählt davon, woher "dieser Pesthauch kommt, der das Chaos entfaltet". Was ist aus dem Beuys-Werk aus 1974 geworden? Ist es jemals als "Große Versöhnung" verstanden worden?







Beuys sagte in einem Interview, er arbeite mit Tieren, um unsichtbare Kräfte zum Ausdruck zu bringen. Man könne Energien deutlich machen, wenn man in ein anderes Reich eintrete, das die Menschen vergessen hätten, in dem gewaltige Kräfte als große Persönlichkeiten überlebten und wenn er versuche, mit den spirituellen Wesenheiten dieser Gesamtheit von Tieren zu sprechen, stelle sich ihm die Frage, ob man nicht auch mit diesen höheren Wesenheiten sprechen könne. Der Geist des Kojoten sei so mächtig, dass der Mensch nicht verstehen könne, was er sei, oder was er in Zukunft für die Menschheit tun könne. Joseph Beuys glaubte, er habe mit seinem Werk Kontakt mit dem psychologischen Traumapunkt der Vereinigten Staaten aufgenommen.






Ich glaube, die amerikanischen Traumen (mit den Indianern und  afrikanischen Sklaven, aber auch in neuerer Zeit mit 09/11) sind den Traumen Deutschlands ähnlich (Kolonialismus und Nationalsozialismus, Rassismus und Holocaust). Wirken sich deshalb die gravierenden Umbrüche in der amerikanischen Gesellschaft  auf Deutschland besonders aus? Woher kommt also der Pesthauch? Kara Walker hat für ihre Antworten das Bronze-Standbild eines Südstaatengenerals ("Stonewall" Jackson) zerschnitten und neu inszeniert.








Ich habe in COYOTES nun YouTube-Clips mit Szenen einer Jagd (oder besser gesagt; Szenen über das nicht waidgerechte Abschießen von Kojoten in den Vereinigten Staaten) mittels Screenshots "zerschnitten", und in neuem Kontext mit Zitaten von Hermann Hesse, Allen Ginsberg und Joseph Beuys zusammengesetzt.








Die Bilder in COYOTES wirken vordergründig harmlos, fast schon, wie eine nette Tierfilm-Doku für Kinder-Menschen. Die Bildsprache ist insofern bemerkenswert, weil der Tod der Kojoten  nicht gezeigt wird, sondern nur (!) die Momente davor. In dieser Phase ist die Natur harmlos und schön; das Tier ist frei. Doch man sieht hier nur eine Seite, also bestenfalls die halbe Wahrheit. Ein einziges der -216- Bilder zeigt den Moment des Abschusses. Die Schönheit des Tieres ist für das YouTube-Publikum relativ uninteressant. Es will den Treffer sehen, den Moment, in dem das Projektil in den Pelz einschlägt. Es  bewertet den tödlichen Treffer und nicht das, was durch ihn ausgelöscht wird. Die Anzahl der Sequenz-Wiederholungen deckt diese Perversion auf. Soziale Netzwerke werden zu Massenvernichtungswaffen gegen die (Herzens-)Bildung einer ganzen Generation; Logarithmen und immer mehr künstliche Intelligenz priorisieren Mittelmäßigkeit. Auf der Strecke bleiben Humanität und Solidarität.






COYOTES ist eine Analyse der dramatischen Absurdität dieser Welt, die im Status quo gefangen ist. Damit wird die Intention der Beuys-Aktion aus 1974 wieder aktuell. Amerika hat seine Traumen nicht überwunden und ist tief gespalten. Die Spaltung fühlt sich an, wie eine Trennung - wie eine Vertreibung aus einem Paradies, das nun für eine ganze Generation verloren ist.
Mu.
2026


gerhard@multerer.org
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