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Carnival - Bookart

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UNIKATBÜCHER
GERHARD MULTERER
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Carnival

Ebene 2


C a r n i v a l
 
ein Fest vor dem Beginn der Fastenzeit oder warum "Fiesta" ein Juwel der Weltliteratur ist

Vor 100 Jahren, im Oktober 1926, fällt Ernest Hemingways Fiesta in die Welt der Literatur ein, wie einst die Jakobiner in die Paläste der Aristokratie.
 
In der Sprache einfach und volksnah, in Botschaft und Wirkung brachial. Der Erste Weltkrieg hat auch die Kultur zerstört. Es braucht etwas Neues, von Tradition gespeist, ein Neustart mit frischen Werten und Idealen. Ebenso sollte das Themen-Panorama sich öffnen und weiten. Und so geht es in Fiesta um die Sinnsuche in Zeiten der Orientierungslosigkeit. Das Geschehen wird durch persönliches Erleben des Autors verbrieft. Es ist ein glaubwürdiger Blick durch ein Schlüsselloch. Themen wie Liebe, Sex, Männlichkeit, Exzess und die Suche nach der eigenen Rolle spielen eine zentrale Rolle.
 
Am Ende des Krieges stehen alle als Verlierer da. Deutschland mit Hyperinflation, Reparationen und einer noch größeren Tragödie vor Augen. Die Welt wird in den Abgrund gezogen. Und so wird in The Sun Also Rises aka Fiesta nichts ausgelassen, was zwischen erwachsenen Menschen so passieren kann. Hemingway selbst umschreibt seinen Roman als eine verdammt traurige Geschichte, in der aber auch die Sonne immer wieder aufgeht. The Sun Also Rises heißt das Original. In Europa wird säkular der Titel Fiesta daraus, aus der spanischen Fiesta wird ein bunter Karneval. Leitgedanke ist ein Motto des Predigers Salomo der dem Buch vorangestellt ist.

 
"Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger. Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen. Die Sonne geht auf und geht unter."

 
Es geht um das sich Hinauswagen auf unbekanntes Terrain, die Unerschrockenheit und die Entdeckerfreude, die Neugier auf eine neue Kultur. Sich das Andersartige und das Fremde anzuschauen und wertzuschätzen. Darüber hinaus geht es um den Kontrast zwischen der Stille der Natur und dem Getöse des Festes. Wir bestaunen den Zwiespalt, der für Hemingways Werk so typisch ist. Auf der einen Seite das desillusionierte Karussell von Laster und Eitelkeiten, auf der anderen Seite die Vergötterung der Natur. Auch in Multerers Farbenspiel ist eine Dualität angelegt. Am Ende sind es immer zwei, die ein Bild ergeben. Der Carnival findet irgendwann sein Ende - The Sun Also Rises. Die Sonne geht abermals auf am nächsten Morgen, so wie sie seit Jahrtausenden jeden Morgen aufgegangen ist.

 
„Ach, Jake“, sagte Brett, „wir hätten so eine verdammt gute Zeit miteinander haben können.“ (…) „Ja“, sagte ich. „Ist das kein schöner Gedanke?“

 
Dies ist der letzte Satz eines imposanten Werkes der Weltliteratur. Es geht um Glück und Frieden - da draußen und besonders drinnen. Ist das kein schönes Bild?
 
Am Ende sind es immer zwei, die ein Bild ergeben, das war schon vor 100 Jahren so!
 
 
(Text von Josè Seifen; modifiziert von Gerhard Multerer)
 




gerhard@multerer.org
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